Geschichte
Im Jahr 1515 erscheint die Jungfrau Maria dreimal Anglèze de Sagazan (1503-1582). Sie lebt unter armseligen Umständen mit ihren Familienmitgliedern. Anglèze hütet Schafe und tut dies unweit des elterlichen Hauses. Die Marienerscheinungen finden unweit der Quelle statt, wo nun die Kirche des Heiligtums steht.
Eine von Licht umgebene schöne Dame, die in ein weißes Kleid gekleidet ist, erscheint Anglèze. Diese Dame lächelt sie an und spricht die Worte: “Hab keine Angst, ich bin die Jungfrau Maria, die Mutter Gottes. Ich bitte dich, zum Bailli, einem Beamten mit richterlichen Befugnissen, von Mouleon zu gehen. Dieser Ort liegt nicht weit von Garaison. Maria bittet sie, dem Bailli zu sagen, dass an diesem Ort eine Kapelle gebaut werden soll, da sie hier Gnadenwunder schenken möchte. Sie sagt auch, dass nicht vergessen werden darf, Gott für seine Wohltaten zu danken. Maria sagt auch, dass im Haus Nahrungsmittel vorhanden sind. Sie lässt Anglèze in die Brotkiste schauen und das Brot nehmen. Anglèze sieht, dass das Brot nicht mehr schwarz, sondern weiß ist. Dies wird das Wunder des Brotes genannt.
Das Heiligtum ist 25 Jahre nach den Erscheinungen gebaut worden, nämlich im Jahre 1540.
Anglèze de Sagazan wird, nach den Erscheinungen, Nonne bei den Zisterzienserinnen im Kloster zu Fabas in der Haute-Garonne.
Im Jahr 1590, zur Zeit der Reformation, wird die Kirche von Protestanten geplündert. In diesem Religionskrieg zerstören Soldaten der Hugenotten das Heiligtum. Die Statue der Jungfrau Maria übersteht die Flammen eines zweistündigen Feuers. Seitdem ist die Holzstatue im Herzen der Kapelle aufgestellt worden.
Im 17. Jahrhundert wurden viele Fresken in der Kirche geschaffen und dabei Wunder dargestellt. Immerhin fanden viele Heilungen an der Quelle statt.
Ab 1600 ist Garaison ein großer Wallfahrtsort und dies dauert bis 1792. In diesem Jahr schließt die Französische Revolution die Kapelle. In der Periode 1600-1792 strömen viele Kranke zum Heiligtum und viele Gnaden werden erlangt. Mutter Maria erhält den Titel von “guérison” und dies bedeutet “Heilung”. Im lokalen Dialekt ist es “garaison” und so entsteht der Name des Heiligtums “Notre Dame de Garaison”.
Im Jahr 1836 kommt Jean-Louis Peydessus (1807-1882) nach Garaison. Er ist der Gründer der Missionare der Unbefleckten Empfängnis, auch bekannt als die Patres von Garaison, und der Ordensfrauen Unserer Lieben Frau von Lourdes. Anschließend ergreift er die Initiative zur Restaurierung des Heiligtums. Im Jahr 1841 gründet er die Schule, die neben der Kirche steht.
Im Jahr 1865 wird das Bildnis Unserer Lieben Frau von Garaison von Bertrand-Sévère Laurence (1790-1870), dem Bischof von Tarbes (1844-1870), gekrönt. Kurz darauf reisen die ersten Hilfsväter zum neuen Heiligtum von Lourdes, wo Maria 1858 Bernadette Soubirous (1844-1879) erschienen ist. Damit kommen die Väter dem weltweiten Ruf von Lourdes nach, wo die Pilger von Jahr zu Jahr zahlreicher werden.
Im Jahre 1903 wird das Kolleg geschlossen.
Während des Ersten Weltkriegs (1914-1918) werden die Gebäude des Heiligtums zur Unterbringung von 1700 Gefangenen genutzt. Unter ihnen befand sich der deutsche Professor, Philosoph, Arzt, Musiker, Schriftsteller und lutherische Theologe Albert Schweitzer (1875-1965).
1923 übernehmen ehemalige Schüler das Kolleg und geben es der Kongregation zurück.
Im Jahr 1924 wurde die Kapelle als historisches Denkmal eingestuft.
Im Jahr 1956 beginnt der Seligsprechungsprozess von Jean-Louis Peydessus.
Im Jahr 1958 wird die sterbliche Hülle der Seherin Anglèze de Sagazan von Fabas nach Garaison überführt. Anglèze wird in der Kapelle aufgebahrt.
1976 wird die Weihnachtsfeier aus dem Heiligtum von Garaison im Eurovisions-Verband ausgestrahlt.
Im Mai 2015 fand die Gedenkfeier von 500 Jahren Erscheinungen der Jungfrau Maria in großem Stil statt. Die Zeremonie wurde von Eucharistiefeiern, einem Konzert, einer Prozession und einer Konferenz begleitet.
Heutzutage hat eine neue Gemeinschaft, die Patres vom Heiligen Kreuz, die Verantwortung für die Heiligtum Garaison und die Region-Pfarrei Garaison.
Anglèze de Sagazan wurde von der katholischen Kirche nicht heiliggesprochen, weil sie als wahre Heilige gelebt hat. Dies tat sie in voller Bescheidenheit, Gehorsam, Diskretion über die Erscheinungen und mit ihrer Berufung als Religiosin. Diese Merkmale stimmen mit Bernadette Soubirous (1844-1879), der Seherin von Lourdes, überein.
Wallfahrtsort
Der Eingang der monumentalen Kapelle ist aus dem Jahr 1620. In der Kapelle ist die Seherin Anglèze de Sagazan aufgebahrt und sind prächtige Fresken zu sehen. Das Altarretabel ist das Herz der Kapelle und zeigt wunderschön. Es wurde 1635 vom französischen Bildhauer Pierre Affre (1590-1669) geschaffen. Das wundersame Bild aus dem Jahr 1590 ist eine Pieta und zeigt die mitleidige Muttergottes. Jeder Besucher wird von dieser Darstellung berührt.
Hinter der Kapelle ist die Quelle, wo die Schäferin Anglèze de Sagazan die Erscheinung sieht. Diese Quelle ist schon vor den Erscheinungen vorhanden. Das Wasser der Quelle ist täglich zu schöpfen.
Neben der Kirche liegt eine katholische Schule mit Hunderten von Schülern; das Institut Notre-Dame de Garaison.
In Garaison wurde ein besonderes Lied für Maria gemacht, nämlich
“Oh, Unsere Liebe Frau von Garaison”.
Der Refrain lautet:
“O Notre-Dame von Garaison
Liebe meine Seele für dich entflammt
Von deinem Lichtkreis
O weißer Stern
Führe mein Segel nach Sion.
Im Kern bedeutet dies: “Oh Unsere Liebe Frau von Garaison. Die Liebe meiner Seele entflammt für Dich. Der weiße Stern weist mir den Weg nach Zion.”.
ERHÄLTLICHKEIT
Die “Notre Dame de Garaison” liegt etwa 70 Kilometer östlich von Lourdes, im Süden Frankreichs, nahe Lannemezan. Auf der Autobahn Tarbes-Toulouse nimmt man die Ausfahrt Montresjau und fährt in Richtung Boudrac und Mouléon-Magnoac.
Auf www.garaison.com/le-sanctuaire finden Sie aktuellere Informationen.
ERLEBNIS
Als ich mich dem Heiligtum nähere, sehe ich einen beeindruckenden Gebäudekomplex. Es ist ein großes Gelände von “Notre Dame De Garaison”. Auf einem Schild steht, dass hier auch ein Internat vorhanden ist.
Bei dem Betreten der Kapelle erklingt das Ave Maria. Dies wirkt in diesem ehrwürdigen Gotteshaus herzerwärmend. Dies ist eine Oase der Ruhe, denn ich bin der einzige Besucher. Das fühlt sich sehr besonders an. Draußen sind es 34 Grad Celsius und in diesem Gebäude mit dicken Mauern ist es kühl mit kaum der Hälfte der Temperatur im Freien.
Der Hauptaltar der Kapelle zeigt in der Mitte die 50 Zentimeter hohe Darstellung der Pieta. Dieses Bild hat einen Brand überlebt und die Flammen haben es nicht beeinträchtigt. Die Pieta ist von mehr als zehn Engelsköpfchen umgeben. Darüber befinden sich die Bilder der Heiligen Anna und des Heiligen Joachim. Außerdem sehe ich eine Holzfigur, die die Aufnahme Mariens in den Himmel darstellt. Des Weiteren sind im Hauptaltar zwei große Gemälde zu sehen. Links vom Hauptaltar befindet sich die Kapelle des Heiligen Josef und links vom Altar die des Johannes des Täufers. Auch sehe ich die Kapelle der Heiligen Katharina. Hier steht der Altar mit den Überresten der Seherin Anglèze de Sagazan. Was für außergewöhnliche Begegnungen hatte diese Hirtin mit der Jungfrau Maria! Danach gehe ich zur anderen Seite dieses Gotteshauses, um die Kapelle der Unbefleckten Empfängnis zu besuchen.
Die Kapelle weist zahlreiche Decken- und Wandmalereien aus der Zeit von 1699-1702 auf. Diese alten Fresken sind teilweise erhalten geblieben und wurden 1974 restauriert. Die Kapelle ist für mich ein Juwel!
Anschließend besuche ich die Sakristei, die aus dem 17. Jahrhundert stammt. Die Tür der Sakristei steht offen. Ich gehe hinein und auch hier bin ich die Einzige. Die Decke ist vollständig bemalt. Was für eine Fülle von Gemälden gibt es hier zu bewundern. Wie schön sind die Fresken! Die Kunstwerke wurden vor vielen Jahren geschaffen. Die Gemälde zeigen unter anderem die Symbole der Eucharistie, wie Hostie, Brot und Wein. Außerdem gibt es Darstellungen von Engeln, Evangelisten und Aposteln. Ich sehe Gemälde von Petrus mit den Schlüsseln, Paulus mit einem Buch, der Jungfrau Maria und einem leidenden Jesus. Im Jahr 1988 wurden die Gemälde restauriert. In diesem Raum gerate ich in ein Gespräch mit einem Geistlichen und erzähle von meinem Besuch in diesem Teil Frankreichs. Ich frage ihn nach der Anzahl der Pilger, die hier jährlich zu Besuch kommen. Außer den regulären Gottesdiensten am Wochenende sind dies etwa 10.000 Besucher. Einst kamen hunderttausende Pilger jährlich hierher, aber seit den Erscheinungen in Lourdes im Jahr 1858 ist der Andrang erheblich zurückgegangen.
Wandernd durch den weitläufigen Garten komme ich zur Rückseite der Kapelle. Es stehen Bänke vor einer eingebauten, tiefer liegenden Kapelle. In weißem Stein ist eine Marienerscheinung abgebildet und darunter ist die Quelle von Garaison. Über dem Eingang zur Quelle steht eine große Marienstatue und die Gottesmutter zertritt die Schlange. Die Quelle lässt ständig Wasser fließen. Ich kaufe eine Kerze und steige die Treppe hinab. Ich zünde die Kerze an und bete.
Was später werde ich zurück zum Auto gehen und leere Flaschen holen. Dann werden diese mit Quellwasser gefüllt. Dieses Wasser ist dazu gedacht, bei der Heimkehr mit anderen Gläubigen geteilt zu werden. Nachdem ich die Wassermenge ins Auto gelegt habe, gehe ich zurück in den Garten. Ich komme zu einer Kapelle, wo der gestorbene Jesus am Kreuz hängt mit einer weinenden Maria zu seinen Füßen. In einer anderen kleinen Kapelle sehe ich eine große Figurengruppe mit Maria, Jesus und einem sterbenden Josef. Was ist es wertvoll, hier sein zu dürfen.
UMGEBUNG
Der Wallfahrtsort Lourdes liegt 73 km westlich. Um Saint-Bertrand de Comminges zu besuchen, sind es 31 km südwestlich und der Wallfahrtsort Montoussé ist nicht weit davon entfernt. Die Entfernung von Garaison nach Montoussé beträgt 22 km.
Veröffentlicht: 2. Juli 2021
Zuletzt geändert: 20. Februar 2024
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